Nature Activity Camp

Steckbrief

  • Projekttitel: Nature Activity Camp
  • VDWS- Mitglied/Schule: Adrian Wachendorf- durchgeführt auf dem Gelände der Rügen Piraten Wassersportschule
  • Zielgruppe:  
  • Menschen Handicaps- Rollstuhlfahrer oder anderweitig sowie deren Betreuer:innen
  • Wassersportarten: SUP, Wing- SUP, MEGA- SUP
  • Intention/Ziele:
  • Menschen mit Behinderung - ob körperlich und / oder geistig - die Möglichkeit geben, ein Outdoorcamp mitzugestalten und zu erleben.
  • Durch verschiedene Outdoor- Aktivitäten zeigen wir Möglichkeiten auf, die vielen Menschen bisher nicht gegeben sind.
  • Es soll allen interessierten Menschen der Zugang zum Wassersport erleichtert werden und eventuell bestehende Ängste, Unsicherheiten oder Vorurteile auf beiden Seiten, abgebaut werden.
  • Veranstaltungen: 2021 an einem verlängerten Wochenende.
  • Kooperationspartner: 

Das Revival auf RÜGEN 2022

Nature - Activity- Camp Dranske 25. – 28.7.2022

 

Weiter ging es mit der wundervollen Zusammenarbeit der Nature-Guides und des Vereins tow.

Nachdem wir im vergangenen Jahr ein erstes Mal gemeinsam mit Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung den Bodden unsicher machten, freuten wir uns schon auf das diesjährige Outdoorcamp.

Auf sehnlichen Wunsch der Teilnehmer des Camps 2021 erwartete uns ein auf vier Tage verlängerter Aufenthalt bei den Rügen Piraten in Dranske.

Von Montag bis Donnerstag in der letzten Juliwoche erhofften wir uns diesmal ein sonnig warmes und windarmes Erleben von Wassersport, Bogenschießen, Grillabenden und der eigenhändigen Herstellung individueller Pfannenpizzen über der glühenden Holzkohle.

Am Montag traf unsere SUP- begeisterte Gruppe nach langer und anstrengender Fahrt am "nohotel"/Lampes Piratenkoje ein. Nun ging es daran, die Zimmer zu beziehen, die an die persönlichen Bedürfnisse angepasst wurden, sich kennenzulernen und mit den Alteingesessenen über die Erlebnisse des Camps 2021 auszutauschen.

Die Vorfreude auf den nächsten Tag und die bevorstehenden Erlebnisse war beim Abendbrot in der DronteBar spürbar und als wir die vom VDWS gesponserten T-Shirts anziehen durften, strahlten alle um die Wette.

Was hatten wir uns in der letzten Juliwoche erhofft? Sonne und Windstille? Wie schon im vergangenen Jahr überraschte uns Petrus am Dienstag mit einem anderen Plan. Im Angebot hatte er Nieselregen, etwas schnelleren Regen und herrlichsten Westwind. Da das ganze Team auf jede Wetterlage vorbereitet und noch dazu hochmotiviert an den Start ging, konnte uns auch die Nässe von oben nicht von unserem Plan abbringen, eine schöne Zeit auf dem Wasser zu verbringen.

Der Wind von Westen brachte uns allerdings dazu unser geplantes Picknick bei den Wracks im Hafen der alten FPG in eine kleine Bucht in den heimischen Gewässern der Rügen Piraten zu verlegen. Auch wenn jeder Paddler auf den speziell entwickelten SUPs alles gab, erreichten wir nur mit Müh und Not den Kopf des Steges des Segelvereins.

Ob uns das gestört oder unsere Freude geschmälert hat? In keinster Weise! Wir lachten, fluchten, paddelten wie die Weltmeister und pusteten kräftig durch, als wir uns endlich am Steg festhalten konnten.

Den Weg in unsere Picknickbucht erleichterte uns der Rückenwind. Geschafft aber glücklich wurden nun die Brotbüchsen geöffnet und wir ließen es uns schmecken. Richtig coole wasserfeste Packsäcke, die uns der VDWS zur Verfügung stellte, hielten die vorbereiteten Lunchpakete tatsächlich trocken.

Am Nachmittag wurde die Sonne dann doch neugierig. Im Windschutz, den uns Bäume und Büsche lieferten, stand schließlich Bogenschießen an.

Sowohl die Rollifahrer als auch die Teilnehmer mit geistiger Behinderung wagten sich an den Bogen und trafen mit herausragender Sicherheit die Zielscheibe. Für die Wartenden standen Riesenhalma, Wikingerschach und Boccia an. Kleine Erfrischungen und Snacks verkürzten die Zeit bis zum Grillgelage, bei dem wir uns die Mägen mit Auberginen, bunten Gemüsespießen, Käse und Steaks vollschlugen.

Für den kühlen aber trockenen Mittwochvormittag stand eine Olympiade der besonderen Art auf dem Plan. Es wurden zwei Mannschaften gewählt und schon konnten wir in die verschiedenen Disziplinen starten. Die Teilnehmer traten in den Kategorien Menschenmemory, Speerwurf, Zielwerfen auf den Wikingerkönig, Tauziehen und Weitschuss mit einer Zwille und Wasserbomben gegen- oder besser miteinander an. Denn obwohl Enthusiasmus und Ehrgeiz grenzenlos zu sein schienen, freuten sich alle gemeinsam über die Erfolge der anderen.

Nach einer wohlverdienten Mittagsruhe ging es erneut aufs Wasser. Diesmal zunächst mit der Rollstuhlfahrerin Margret auf dem Einer-Ausleger. Der Rest der Gruppe vergnügte sich mit Gesellschaftsspielen, dem entspannenden Blick auf den Bodden, einem leckeren Eis und dem Anfeuern der Paddler.

Als die anderen Margret auf ihrem SUP strahlen sahen, wollten dann doch mehr und mehr Teilnehmer dem Wetter strotzen. Wir bereiteten das große SUP vor, schnallten die Rollis daran fest, verteilten Schwimmwesten und Paddel und stürmten erneut fast vollständig den Bodden. Wir legten diesmal kleinere Etappen zurück und kamen im Anschluss erschöpft aber glücklich wieder an Land.

Für den Abend war diesmal die leckere Pfannenpizza geplant. Die Teilnehmer des vergangenen Camps wussten schon, was sie erwartet und erzählten den Neuzugängen, die mittlerweile längst fest in die Gruppe integriert und nicht mehr wegzudenken waren, welche Schlemmerei sie erwarten würde.

Holzkohle wurde zum Glühen gebracht, die Pfannen vorgeheizt und gefettet und schon konnten Teig und verschiedene Beläge zu köstlichen Pizzen verarbeitet werden. Jeder von uns schuf eigene Kreationen mit all seinen Lieblingszutaten und beobachtete dann, wie goldbraune, herrlich überbackene Leckereien entstanden. Der Zulauf war enorm. Sogar die kleinsten Rügen Piraten standen gemeinsam mit uns Schlange und warteten voller Aufregung auf die Fertigung ihres Essens.

Nach einem Tag voll wundervoller Eindrücke und persönlicher Erfolge, ging es ab in die Betten.

Bevor wir am Donnerstagmorgen Abschied voneinander nahmen, gab es noch eine ganze Menge weitere Geschenke, die uns die Rügen Piraten und der VDWS zur Verfügung gestellt haben. Jeder Sportler erhielt eine Urkunde und ein Zertifikat über die Teilnahme am Camp, Blöcke, Stifte, Schlüsselbänder, Aufkleber, Postkarten und schöne Mappen mit dem Logo der Rügen Piraten. Die strahlenden Gesichter der mit tollen Erlebnissen und Goddies reich beschenkten Teilnehmer, waren unbezahlbar.

Das Fazit der Projektleiter, Betreuer und frisch lizensierten StandUpPaddler konnte besser nicht ausfallen. Wir sind uns einig, dass das Camp auch im Jahr 2023 wieder stattfinden soll, vielleicht sogar noch einmal um einen Tag verlängert.

Gespickt mit Glücksgefühlen konnte die Heimreise angetreten werden.

Wir bedanken uns bei allen Unterstützern, die dieses Camp möglich gemacht haben: dem VDWS, den Nature Guides, der Aktion Mensch, dem tow-ev und den Rügen Piraten.

Bis zum nächsten Mal

Bibi

 

 

 

 

EIN WOCHENENDE AUF RÜGEN 2021

Draußen sein, frische Luft um die Nase und eine gemeinsame Auszeit genießen. Unter diesem Motto sind wir mit acht Teilnehmer*innen, drei Trainer*innen und vier Begleiter*innen ans Meer nach Drankse gefahren.

Freitagnachmittag startete unser Inklusives Outdoor Camp mit einer Begrüßung durch die Organisatoren des SOV Lüneburg e.V. und einer entspannten Vorstellungsrunde aller Teilnehmer*innen. Nachdem die Zimmer bezogen wurden, machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Lagerfeuer und dem darauf zubereiteten Abendessen.

Nach dem gemeinsamen Frühstück wurden alle Teilnehmer*innen und Begleiter*innen mit Neoprenjacken und Schwimmwesten ausgestattet. Bei leicht einsetzendem Wind und Nieselregen wurden alle in das Thema Inklusives Rollstuhl-SUP eingewiesen. Die Aufregung wuchs, als es für die ersten aufs Board ging. Erst die drei Rollstuhlfahrerinnen und dann alle weiteren Teilnehmer*innen und Begleiter*innen nacheinander.

Zu Beginn ist es immer ein wenig wackelig und viele starten erst einmal auf den Knien. Die Ostsee zeigte sich an diesem Tag etwas unruhiger als im August gewohnt. Dennoch paddelten alle mit voller Kraft gegen den Wind um sich auf dem Rückweg von diesem antreiben zu lassen.

Nach und nach kamen die Teilnehmer*innen wieder an Land. Für manch einen war dies bereits ein unglaubliches Erlebnis, im Team auf so einem großen Board übers Meer zu paddeln.

Einige wollten aber noch mehr und so ist eins der beiden Riesen-SUPs zwei Stunden auf der Ostsee gepaddelt.

Anne, eine junge Rolli-Skaterin, war noch voller Elan und durfte unter Begleitung auf einem Einer-SUP mit Auslegern alleine paddeln. Bejubelt von den Landgängern drehte sie ihre Kreise auf dem Wasser. Nach so viel Aktion und einigen Wasserlandungen, mussten erst einmal alle zurück ins Hotel und sich aufwärmen bzw. eine Mittagsruhe einlegen.

Das Wetter war uns nicht gnädig an diesem Wochenende. Nach unserer Paddel-Action kamen Wind und Regen auf. Somit mussten wir leider das Angebot des Bogenschießens absagen. Wir hatten allerdings die Möglichkeit verschiedene Indoorbereiche zu nutzen und so hatten alle eine entspannte und lustige Zeit bei Spielen und Kaffee.

Der Abend, leider immer noch bei Regen, wurde dann wieder aufregender. An verschiedenen Feuerstellen konnten unsere Teilnehmer*innen stehend und sitzend ihre eigene Pfannen-Pizzabacken. Nachdem die ersten Pizzen verzehrt waren, kam Mandarine, eine Clownin, dazu, die allen den Abend sehr versüßte. Obgleich sie eigentlich Clownin im Kinderkrankenhaus ist, kamen Tränen vor Lachen bei Groß und Klein zum Vorschein. Somit vergingen zweieinhalb Stunden wie im Flug.

Einen schönen gemeinsamen Abschluss hatten wir Sonntagvormittag nach dem Frühstück. Jeder bekam als Auszeichnung für seinen Mut ein "SUP-Ausweis" und ein "Special- Zertifikat" des VDWS. Das hat alle Teilnehmer*innen überrascht und überaus gefreut. Jubelnd sind wir also in die Abschlussrunde übergegangen.

Fazit aller Teilnehmer*innen: Dies soll bitte in jedem Fall wiederholt werden. Aber dann bitte nicht nur ein Wochenende sondern eine Woche lang.

Mit dem Outdoor Activity Camp wollten wir Menschen mit Behinderung - ob körperlich und /oder geistig - die Möglichkeit geben, ein Outdoorcamp mitzugestalten und zu erleben.

Es ging darum neues auszuprobieren, den eigenen Radius zu erweitern, Ängste abzubauen und sich untereinander auszutauschen.

An diesem Wochenende haben wir unsere Ziele erreicht und acht Menschen eine Auszeit von ihrem Alltag ermöglicht. Eine Auszeit, die sie immer wieder in Erzählungen und durch Fotos und Videos auf erleben lassen können.

Vielen Dank an all unsere Sponsoren der Aktion Mensch und an den VDWS für das zur Verfügung stellen von Zertifikaten, tollen Longsleeve- Shirts und anderen kleinen Geschenken!

 

Michaela Wachendorf