Nature Activity Camp

Steckbrief

  • Projekttitel: Nature Activity Camp
  • VDWS- Mitglied/Schule: Adrian Wachendorf- durchgeführt auf dem Gelände der Rügen Piraten Wassersportschule
  • Zielgruppe:  
  • Menschen Handicaps- Rollstuhlfahrer oder anderweitig sowie deren Betreuer:innen
  • Wassersportarten: SUP, Wing- SUP, MEGA- SUP
  • Intention/Ziele:
  • Menschen mit Behinderung - ob körperlich und / oder geistig - die Möglichkeit geben, ein Outdoorcamp mitzugestalten und zu erleben.
  • Durch verschiedene Outdoor- Aktivitäten zeigen wir Möglichkeiten auf, die vielen Menschen bisher nicht gegeben sind.
  • Es soll allen interessierten Menschen der Zugang zum Wassersport erleichtert werden und eventuell bestehende Ängste, Unsicherheiten oder Vorurteile auf beiden Seiten, abgebaut werden.
  • Veranstaltungen: 2021- 2023 an einem verlängerten Wochenende.
  • Kooperationspartner: 

Wellen der Verbindung - inklusives Wassersport- und Yogacamp 2023 auf Rügen

ODER

 

„Wir sind die Könige der Welt!“

 

 

Wer in den vergangenen Jahren unsere Rolli-Camp-Erlebnisse verfolgt hat, wartet an dieser Stelle ganz sicher schon auf unseren Running Gag: Petrus hat uns natürlich auch in diesem Jahr sein komplettes Repertoire zur Verfügung gestellt.

Denn während sich der geneigte Wassersportler im Bereich Windsurfen und Kiten über hohe Windstärken freut, ist es für ein SUP- und Yogacamp doch bei Windstille angenehmer und eine Umsetzung ungleich einfacher.

Doch wer wären wir, wenn wir nicht wie immer lösungsorientiert und mit viel Humor an die Sache rangegangen wären?! Wie ihr im Laufe dieses Berichtes noch feststellen werdet, ließ sich Petrus genau dadurch beeindrucken und belohnte uns sogar.

Beginnen wir von vorn: Unser inklusives Wassersport- und Yogacamp 2023 startete am 18. September 2023 wie geplant mit der Anreise der Teilnehmer*innen aus Dranske, Glowe und Lüneburg.  

Es handelte sich um eine bunt zusammengewürfelte Gruppe, die sich aus Teilnehmer*innen mit unterschiedlich stark ausgeprägten körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigungen zusammensetzte.

Im NoHotel wurden die Zimmer bezogen und kleine Planänderungen vorgenommen, um den Teilnehmer*innen optimale Rückzugsorte bieten zu können.

Da zum Glück die Zeit des Abendessens heranrückte, denn unsere Mägen knurrten bereits, und noch ein kleiner Weg zur Station der Rügen Piraten zurückgelegt werden musste, verschoben wir die Vorstellung des Programms auf die Zeit nach dem Angrillen.

Der Grill glühte bereits und wir konnten direkt mit der Schlemmerei starten.

Im Anschluss an unser gemeinsames Essen stillten wir endlich die Neugier der Teilnehmer*innen und besprachen den Ablaufplan unseres Camps.

Als kleine Überraschung hielten wir für jede*n Teilnehmer*in ein Camp-T-Shirt bereit. Die Jubelschreie haben wir noch jetzt im Ohr. Also rein in unsere Shirts und ran an die Arbeit, denn es galt, gemeinsam die SUPs aufzubauen, um am nächsten Tag direkt durchstarten zu können.  Jede*r Teilnehmer*in bekam ihre/ seine eigene auf sie/ ihn angepasste Aufgabe für den Aufbau und so lief alles wie am oft gepriesenen Schnürchen.

Der 19.9. begann im NoHotel mit einem herrlich leckeren und ausgewogenen Frühstück und erneuter Zusammenfassung des Tagesprogramms. Da wir am Abend zuvor alle Punkte des Camps vorgestellt hatten, wollten wir den Tagesablauf an dieser Stelle noch einmal klar skizzieren und für die Teilnehmer*innen greifbar machen.

Den Auftakt der sportlichen Betätigungen sollte eine Tour mit den Riesen-SUPs bilden.

Wir hatten Petrus und sein Repertoire bereits erwähnt, oder? Was hätte er alles auspacken können und was hielt er stattdessen bereit? Na klar, starken Wind und zwar von der sportlichsten Sorte und passend dazu gesunkene Temperaturen. Normalerweise kann man auf den Riesen- SUPs ganz bequem seine eigenen Sachen anbehalten, Frostbeulen wollten wir dann aber doch keine bekommen und verteilten deshalb an alle Teilnehmer*innen zusätzlich Neoprenanzüge.

Ach so, zur Verwirklichung des geplanten Ausfluges: eine sichere Tour mit den Riesen- SUPs wäre bei der Windstärke nicht möglich gewesen, also setzten wir uns mit der Abteilung der Segler*innen in Verbindung und trafen die Entscheidung, dass wir zunächst mit dem Wind paddeln – lassen wir es cool klingen: einen Downwinder machen- und im Anschluss von ihnen mit einem Motorboot zurückgeschleppt werden.

Wir paddelten in Kleingruppen und nutzten nur eines der SUPs, um ein optimales Erlebnis und eine bestmögliche und sichere Betreuung gewährleisten zu können.

Auch vom Plan auf dem Wasser zu picknicken, mussten wir aufgrund des Wetters abweichen. Doch zurück zu den gemeisterten Aufgaben! Die Paddel- und Rückschleppaktionen waren der Knaller des Jahrhunderts! Dass wir von der entstandenen Bugwelle komplett durchgeweicht wurden, sorgte für schallendes Gelächter und für einen Moment, der das Motto unseres Camps bestimmen sollte. Habt ihr schon mal alle Emotionen rausgelassen und in den Wind geschrien? Einfach herrlich! Es war also kalt, echt nass, wir hatten die Kontrolle komplett an die Segler im Motorboot abgeben - wer denkt da nicht an Titanic? Okay, kleiner makabrer Scherz! Wir breiteten erst unsere Arme aus, schrien lachend irgendwelchen Quatsch in den Wind und die entgegenklatschenden Wellen und kamen dann auf den Film Titanic und damit auch zu unserem Motto: „Wir sind die Könige der Welt“. Wie wir im Laufe des Camps feststellten, kann man diesen Leitspruch in fast jeder Lebenssituation einsetzen oder gar herausschreien. Denn wenn man das Leben als Geschenk und wirklich positiv betrachtet, dann fühlt man sich tatsächlich sehr häufig als König*in der Welt!

Okay, jetzt sind wir ein wenig vom Bericht und damit Weg abgekommen. Wir nahmen unser Mittagessen also direkt im NoHotel ein und schlossen eine Pause an, damit die Teilnehmer*innen das Erlebte verarbeiten und sich ausruhen konnten.

Für den Nachmittag war die Landeinheit mit ersten Yogaerfahrungen geplant. Es regnete nicht – Ja! Petrus kann, wenn er beeindruckt ist, ein echt guter Kumpel sein! – und dieser Programmpunkt ließ sich an der frischen Seeluft umsetzen.

Keine*r der Teilnehmer*innen brachte Vorerfahrungen mit und so erklärten wir zunächst die Grundlagen und Atemtechniken. Für die Übungen selbst wurden erneut Kleingruppen gebildet, um optimal auf die Haltung in den einzelnen Positionen achten zu können.

Die vertrauensvolle Verbindung innerhalb der Gruppe war für jede*n Beobachter*in und Teilnehmer*in greifbar. Da Spaß beim Kennenlernen neuer Bewegungsabläufe im Vordergrund steht, benannten wir die einzelnen Yogastellungen nach den Teilnehmer*innen. Es gab die aufschauende Petra und den herabschauenden Dierk, die Stellung des Kindes wurde zur schlummernden Rahel und so weiter. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie sehr die Teilnehmer*innen strahlten, weil ihre Namen für Yogaübungen standen.

Jede*r führte die Übungen so wie es für sie/ ihn umsetzbar war, konzentriert, okay ab und zu auch kichernd, aber auf jeden Fall begeistert aus.

Die Kleingruppen, die gerade kein Yoga machten, batikten ihre Camp-T-Shirts oder wetteiferten bei einem Wurfspiel am Cornboard. Die Ergebnisse unserer künstlerischen Ergüsse und die eifrige Entwicklung der besten Wurftechniken waren atemberaubend. Es kann so unglaublich erfüllend sein, ganz entspannt Stoffe zu färben und sich dann beim Spielen mit den wildesten und lustigsten Sprüchen zu necken. Nicht umsonst kamen mehr und mehr Leute vom Team der Rügen Piraten dazu und wollten mitmachen.

Fördernde Bedingungen für unseren Spaß an allen Stationen waren der völlig entspannte Kontakt innerhalb der Gruppe, angenehme Rahmenbedingungen, wie ein fester und bekannter Ort – der Strand und die Wiese am Bodden - ein abgesteckter Zeitraum und eine entspannte Atmosphäre in der Wassernähe.

Da der Wind die anschließend geplante Einheit mit Pfeil und Bogen unmöglich machte – Petrus, wir haben dich doch gerade noch gelobt! - hatten wir ausreichend Zeit, die Kleingruppen in die jeweiligen Stationen einzuführen und eine schöne Atmosphäre zu schaffen.

Beim Abendessen in der Dronte Bar wurden lachend die Eindrücke des Tages reflektiert und im Anschluss saßen einige Teilnehmer*innen noch beisammen, während sich andere in ihre Zimmer begaben, um sich von den Anstrengungen des Tages zu erholen.

Die Wind- und Wetterprognose für den 20.9. verlangte abermals eine Planänderung. Hey, keine Sorge lieber Petrus, das ist doch für uns kein Problem! Da der am Vormittag noch recht starke Wind im Laufe des Tages immer mehr nachlassen sollte, verlegten wir die Wassereinheit auf den Nachmittag. Ja, wir sind eben flexibel!

Begonnen wurde mit einer entspannten Einheit Yoga, um den Teilnehmer*innen zu zeigen, dass dieser Sport nicht nur nach einer Anstrengung möglich, sondern jederzeit in den Alltag integrierbar ist.

Da wir die Übungen am Vortag in Kleingruppen durchgeführt hatten, war das Yoga am Strand des Boddens in der Großgruppe gut umsetzbar. Hiermit erreichten wir zusätzlich eine Steigerung des Schwierigkeitsgrades, denn es erfordert um einiges mehr Konzentration auf die Übungen, wenn die Anzahl der Teilnehmer*innen und die damit mögliche Ablenkung zunimmt.

Mit aufgewärmten und gut gedehnten Muskeln machten wir uns an einen neuen Programmpunkt - Wikingerschach. Wir wählten einen Abschnitt an der Schilfkante, der allen Teilnehmer*innen bekannt und vom Untergrund sicher zugänglich war.  Die Teams wurden gebildet und der Wettbewerb um die besten Würfe begann.

Hatten wir das Sprücheklopfen vom Vortag erwähnt? Es wurde wieder einmal herrlich! Wir tobten, lachten, schoben die Rollstühle in Formel1- Geschwindigkeit, zogen Donuts auf der Wiese und vergaßen dabei fast, dass wir doch eigentlich in zwei Teams gegeneinander um den Sieg kämpften.

Nach dem Mittagessen, das erneut im NoHotel eingenommen wurde, und einer Mittagspause, begaben wir uns mit den SUPs auf den Bodden. Wie vorhergesagt, war es tatsächlich windstill und wir konnten mit der gesamten Gruppe auf eine Erkundungstour gehen. Als Ziel setzten wir uns die Wracks, die im Gelände der ehemaligen Fischerei liegen.

Gut, der Start testete mal wieder unsere Orientierung auf Lösungen – kein Problem für dieses wundervolle Team an Betreuern. Auslaufendes Wasser und ein damit ungleich verlängerter, echt schlammiger Einstieg, verlangte Improvisationstalent. Die Piraten schleppten das RiesenSUP an einen anderen Einstieg, ein Teil der Gruppe machte sich auf Wanderschaft zu diesem und zusätzlich wurde ein Wassertaxi eingerichtet. Garantiert preiswert und umweltfreundlich diente ein Surfbrett als Beförderungsmittel.

Wir erreichten die Wracks durch erneute hervorragende Zusammenarbeit aller Teilnehmer*innen, legten vor Ort eine Pause ein, um die Wracks anzuschauen und unser „Wir sind die Könige der Welt“ herauszuposaunen und bestritten anschließend gemeinsam den Rückweg.

Das Wasser war das erste Mal in der Geschichte unseres Rügener Camps glatt wie ein Babypopo. Wir konnten uns buchstäblich in der Wasseroberfläche spiegeln und völlig entspannt paddeln.

Beim Aufräumen des Materials half jede*r Teilnehmer*in nach individuellem Können, so richtig echte Teamarbeit.

Für den Abschlussabend war die Herstellung von Pfannenpizzen geplant. Die Vorgehensweise wurde erklärt und jede*r Teilnehmer*in machte sich stolz und mehr oder weniger selbständig an die Vorbereitung seines Abendbrots. Für den Belag hielt die DronteBar alles bereit, was das Herz begehrt. Es gab Mais, Paprika, Wurststückchen, Käse, Soßen, Lauch etc. Wir müssen bestimmt nicht erwähnen, dass wir am liebsten mehr gegessen hätten, als in unsere Mägen passte.

Nach einem Feedbackgespräch am Lagerfeuer, bei dem Änderungswünsche, positive Rückmeldungen und neue Ideen gesammelt wurden, bauten wir eine Abschlussentspannung mit einer weiteren Yogaeinheit ein. An dieser Einheit nahmen sowohl die Teilnehmer*innen des Camps als auch Mitglieder des Teams der Rügen Piraten teil, was mal wieder allen Begeisterungsrufe entlockte und noch einmal für großes Gelächter sorgte.

Gemeinsam verbrachten wir einen wunderschönen Abend als Abschluss eines Camps, bei dem Inklusion wirklich gelebt und von allen als sehr motivierend für zukünftige Projekte empfunden wurde. Berührungsängste konnten abgebaut und Möglichkeiten eines Strand- und Wassererlebnisses für Menschen mit körperlichen und/ oder geistigen Einschränkungen aufgezeigt werden.

Wow, die Zeit kann so unglaublich schnell vergehen. Denn schon war der 21.9. und wir mussten, bei einem erneut superleckeren Frühstück, feststellen, dass unser Camp schon wieder vorbei ist.

Wir besprachen gemeinsam mit allen Teilnehmenden zukünftige Kooperationsmöglichkeiten. Die Teilnehmer*innen und Betreuer*innen tauschten Daten aus, um die entstandene Vernetzung ausbauen zu können und auch außerhalb des Camps, gemeinsam mit den RügenPiraten und dem tow e.V., Treffen für Yogaeinheiten und SUP-Touren umsetzen zu können.

Ein erstes Treffen außerhalb des Camps fand noch im September statt.

Der individuelle Lernzuwachs in den verschiedenen Bereichen wurde stolz kundgetan und alle Teilnehmer*innen freuen sich auf neue Projekte mit neuen Schwerpunkten.

Wir herzten uns, flüsterten uns liebevolle Verabschiedungen ins Ohr und winkten uns bei der Abreise mit Tränchen in den Augen zu.

 

Wir bedanken uns bei der Aktion Mensch für die Förderung unseres Camps „Wellen der Verbindung - inklusives Wassersport- und Yogacamp 2023 auf Rügen“, beim VDWS für die gesponsorten Lycras, DryBags und VDWS-Gimmicks, außerdem bei SUP Unitiy für die Planung und Betreuung des Camps, den Rügen Piraten und dem tow e.V. für die Bereitstellung der Betreuer*innen, des Materials und des Geländes, beim NoHotel für die Unterkunft und bei der DronteBar für die Verpflegung.

 

 

Gemeinsam haben wir Inklusion möglich und erlebbar gemacht.

Das Revival auf RÜGEN 2022

Nature - Activity- Camp Dranske 25. – 28.7.2022

 

Weiter ging es mit der wundervollen Zusammenarbeit der Nature-Guides und des Vereins tow.

Nachdem wir im vergangenen Jahr ein erstes Mal gemeinsam mit Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung den Bodden unsicher machten, freuten wir uns schon auf das diesjährige Outdoorcamp.

Auf sehnlichen Wunsch der Teilnehmer des Camps 2021 erwartete uns ein auf vier Tage verlängerter Aufenthalt bei den Rügen Piraten in Dranske.

Von Montag bis Donnerstag in der letzten Juliwoche erhofften wir uns diesmal ein sonnig warmes und windarmes Erleben von Wassersport, Bogenschießen, Grillabenden und der eigenhändigen Herstellung individueller Pfannenpizzen über der glühenden Holzkohle.

Am Montag traf unsere SUP- begeisterte Gruppe nach langer und anstrengender Fahrt am "nohotel"/Lampes Piratenkoje ein. Nun ging es daran, die Zimmer zu beziehen, die an die persönlichen Bedürfnisse angepasst wurden, sich kennenzulernen und mit den Alteingesessenen über die Erlebnisse des Camps 2021 auszutauschen.

Die Vorfreude auf den nächsten Tag und die bevorstehenden Erlebnisse war beim Abendbrot in der DronteBar spürbar und als wir die vom VDWS gesponserten T-Shirts anziehen durften, strahlten alle um die Wette.

Was hatten wir uns in der letzten Juliwoche erhofft? Sonne und Windstille? Wie schon im vergangenen Jahr überraschte uns Petrus am Dienstag mit einem anderen Plan. Im Angebot hatte er Nieselregen, etwas schnelleren Regen und herrlichsten Westwind. Da das ganze Team auf jede Wetterlage vorbereitet und noch dazu hochmotiviert an den Start ging, konnte uns auch die Nässe von oben nicht von unserem Plan abbringen, eine schöne Zeit auf dem Wasser zu verbringen.

Der Wind von Westen brachte uns allerdings dazu unser geplantes Picknick bei den Wracks im Hafen der alten FPG in eine kleine Bucht in den heimischen Gewässern der Rügen Piraten zu verlegen. Auch wenn jeder Paddler auf den speziell entwickelten SUPs alles gab, erreichten wir nur mit Müh und Not den Kopf des Steges des Segelvereins.

Ob uns das gestört oder unsere Freude geschmälert hat? In keinster Weise! Wir lachten, fluchten, paddelten wie die Weltmeister und pusteten kräftig durch, als wir uns endlich am Steg festhalten konnten.

Den Weg in unsere Picknickbucht erleichterte uns der Rückenwind. Geschafft aber glücklich wurden nun die Brotbüchsen geöffnet und wir ließen es uns schmecken. Richtig coole wasserfeste Packsäcke, die uns der VDWS zur Verfügung stellte, hielten die vorbereiteten Lunchpakete tatsächlich trocken.

Am Nachmittag wurde die Sonne dann doch neugierig. Im Windschutz, den uns Bäume und Büsche lieferten, stand schließlich Bogenschießen an.

Sowohl die Rollifahrer als auch die Teilnehmer mit geistiger Behinderung wagten sich an den Bogen und trafen mit herausragender Sicherheit die Zielscheibe. Für die Wartenden standen Riesenhalma, Wikingerschach und Boccia an. Kleine Erfrischungen und Snacks verkürzten die Zeit bis zum Grillgelage, bei dem wir uns die Mägen mit Auberginen, bunten Gemüsespießen, Käse und Steaks vollschlugen.

Für den kühlen aber trockenen Mittwochvormittag stand eine Olympiade der besonderen Art auf dem Plan. Es wurden zwei Mannschaften gewählt und schon konnten wir in die verschiedenen Disziplinen starten. Die Teilnehmer traten in den Kategorien Menschenmemory, Speerwurf, Zielwerfen auf den Wikingerkönig, Tauziehen und Weitschuss mit einer Zwille und Wasserbomben gegen- oder besser miteinander an. Denn obwohl Enthusiasmus und Ehrgeiz grenzenlos zu sein schienen, freuten sich alle gemeinsam über die Erfolge der anderen.

Nach einer wohlverdienten Mittagsruhe ging es erneut aufs Wasser. Diesmal zunächst mit der Rollstuhlfahrerin Margret auf dem Einer-Ausleger. Der Rest der Gruppe vergnügte sich mit Gesellschaftsspielen, dem entspannenden Blick auf den Bodden, einem leckeren Eis und dem Anfeuern der Paddler.

Als die anderen Margret auf ihrem SUP strahlen sahen, wollten dann doch mehr und mehr Teilnehmer dem Wetter strotzen. Wir bereiteten das große SUP vor, schnallten die Rollis daran fest, verteilten Schwimmwesten und Paddel und stürmten erneut fast vollständig den Bodden. Wir legten diesmal kleinere Etappen zurück und kamen im Anschluss erschöpft aber glücklich wieder an Land.

Für den Abend war diesmal die leckere Pfannenpizza geplant. Die Teilnehmer des vergangenen Camps wussten schon, was sie erwartet und erzählten den Neuzugängen, die mittlerweile längst fest in die Gruppe integriert und nicht mehr wegzudenken waren, welche Schlemmerei sie erwarten würde.

Holzkohle wurde zum Glühen gebracht, die Pfannen vorgeheizt und gefettet und schon konnten Teig und verschiedene Beläge zu köstlichen Pizzen verarbeitet werden. Jeder von uns schuf eigene Kreationen mit all seinen Lieblingszutaten und beobachtete dann, wie goldbraune, herrlich überbackene Leckereien entstanden. Der Zulauf war enorm. Sogar die kleinsten Rügen Piraten standen gemeinsam mit uns Schlange und warteten voller Aufregung auf die Fertigung ihres Essens.

Nach einem Tag voll wundervoller Eindrücke und persönlicher Erfolge, ging es ab in die Betten.

Bevor wir am Donnerstagmorgen Abschied voneinander nahmen, gab es noch eine ganze Menge weitere Geschenke, die uns die Rügen Piraten und der VDWS zur Verfügung gestellt haben. Jeder Sportler erhielt eine Urkunde und ein Zertifikat über die Teilnahme am Camp, Blöcke, Stifte, Schlüsselbänder, Aufkleber, Postkarten und schöne Mappen mit dem Logo der Rügen Piraten. Die strahlenden Gesichter der mit tollen Erlebnissen und Goddies reich beschenkten Teilnehmer, waren unbezahlbar.

Das Fazit der Projektleiter, Betreuer und frisch lizensierten StandUpPaddler konnte besser nicht ausfallen. Wir sind uns einig, dass das Camp auch im Jahr 2023 wieder stattfinden soll, vielleicht sogar noch einmal um einen Tag verlängert.

Gespickt mit Glücksgefühlen konnte die Heimreise angetreten werden.

Wir bedanken uns bei allen Unterstützern, die dieses Camp möglich gemacht haben: dem VDWS, den Nature Guides, der Aktion Mensch, dem tow-ev und den Rügen Piraten.

Bis zum nächsten Mal

Bibi

 

 

 

 

EIN WOCHENENDE AUF RÜGEN 2021

Draußen sein, frische Luft um die Nase und eine gemeinsame Auszeit genießen. Unter diesem Motto sind wir mit acht Teilnehmer*innen, drei Trainer*innen und vier Begleiter*innen ans Meer nach Drankse gefahren.

Freitagnachmittag startete unser Inklusives Outdoor Camp mit einer Begrüßung durch die Organisatoren des SOV Lüneburg e.V. und einer entspannten Vorstellungsrunde aller Teilnehmer*innen. Nachdem die Zimmer bezogen wurden, machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Lagerfeuer und dem darauf zubereiteten Abendessen.

Nach dem gemeinsamen Frühstück wurden alle Teilnehmer*innen und Begleiter*innen mit Neoprenjacken und Schwimmwesten ausgestattet. Bei leicht einsetzendem Wind und Nieselregen wurden alle in das Thema Inklusives Rollstuhl-SUP eingewiesen. Die Aufregung wuchs, als es für die ersten aufs Board ging. Erst die drei Rollstuhlfahrerinnen und dann alle weiteren Teilnehmer*innen und Begleiter*innen nacheinander.

Zu Beginn ist es immer ein wenig wackelig und viele starten erst einmal auf den Knien. Die Ostsee zeigte sich an diesem Tag etwas unruhiger als im August gewohnt. Dennoch paddelten alle mit voller Kraft gegen den Wind um sich auf dem Rückweg von diesem antreiben zu lassen.

Nach und nach kamen die Teilnehmer*innen wieder an Land. Für manch einen war dies bereits ein unglaubliches Erlebnis, im Team auf so einem großen Board übers Meer zu paddeln.

Einige wollten aber noch mehr und so ist eins der beiden Riesen-SUPs zwei Stunden auf der Ostsee gepaddelt.

Anne, eine junge Rolli-Skaterin, war noch voller Elan und durfte unter Begleitung auf einem Einer-SUP mit Auslegern alleine paddeln. Bejubelt von den Landgängern drehte sie ihre Kreise auf dem Wasser. Nach so viel Aktion und einigen Wasserlandungen, mussten erst einmal alle zurück ins Hotel und sich aufwärmen bzw. eine Mittagsruhe einlegen.

Das Wetter war uns nicht gnädig an diesem Wochenende. Nach unserer Paddel-Action kamen Wind und Regen auf. Somit mussten wir leider das Angebot des Bogenschießens absagen. Wir hatten allerdings die Möglichkeit verschiedene Indoorbereiche zu nutzen und so hatten alle eine entspannte und lustige Zeit bei Spielen und Kaffee.

Der Abend, leider immer noch bei Regen, wurde dann wieder aufregender. An verschiedenen Feuerstellen konnten unsere Teilnehmer*innen stehend und sitzend ihre eigene Pfannen-Pizzabacken. Nachdem die ersten Pizzen verzehrt waren, kam Mandarine, eine Clownin, dazu, die allen den Abend sehr versüßte. Obgleich sie eigentlich Clownin im Kinderkrankenhaus ist, kamen Tränen vor Lachen bei Groß und Klein zum Vorschein. Somit vergingen zweieinhalb Stunden wie im Flug.

Einen schönen gemeinsamen Abschluss hatten wir Sonntagvormittag nach dem Frühstück. Jeder bekam als Auszeichnung für seinen Mut ein "SUP-Ausweis" und ein "Special- Zertifikat" des VDWS. Das hat alle Teilnehmer*innen überrascht und überaus gefreut. Jubelnd sind wir also in die Abschlussrunde übergegangen.

Fazit aller Teilnehmer*innen: Dies soll bitte in jedem Fall wiederholt werden. Aber dann bitte nicht nur ein Wochenende sondern eine Woche lang.

Mit dem Outdoor Activity Camp wollten wir Menschen mit Behinderung - ob körperlich und /oder geistig - die Möglichkeit geben, ein Outdoorcamp mitzugestalten und zu erleben.

Es ging darum neues auszuprobieren, den eigenen Radius zu erweitern, Ängste abzubauen und sich untereinander auszutauschen.

An diesem Wochenende haben wir unsere Ziele erreicht und acht Menschen eine Auszeit von ihrem Alltag ermöglicht. Eine Auszeit, die sie immer wieder in Erzählungen und durch Fotos und Videos auf erleben lassen können.

Vielen Dank an all unsere Sponsoren der Aktion Mensch und an den VDWS für das zur Verfügung stellen von Zertifikaten, tollen Longsleeve- Shirts und anderen kleinen Geschenken!

 

Michaela Wachendorf